Barockes Universum Gotha
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Die Anlage einer Kunstkammer war für den deutschen Fürsten des Barocks eine absolute Notwendigkeit: Zum einen band die Kunstkammer tatsächlich ein reales Vermögen, das in Krisenzeiten wie einem Krieg verpfändet oder veräußert werden konnte. Mehr aber noch diente sie der Präsentation von Macht und der Widerspiegelung persönlicher Weltvorstellungen. Eine der schönsten Kunstkammern der Welt ist bis heute sicherlich das „Grüne Gewölbe“ in Dresden. In mancher Hinsicht vergleichbar – wenngleich längst nicht so umfangreich – ist die Kunstkammer der Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg angelegt.
Hier finden sich einmalige Kunstschätze wie Goldschmiedearbeiten von Johann Melchior Dinglinger, eine Gewandgarnitur aus Türkisen, die die Herzöge von Peter dem Großen als Geschenk erhielten, Nautiluspokale des 16. und 17. Jahrhunderts, geschnittene und geschliffene Gefäße aus Achat, Serpentin und Bergkristall, in Gold und Silber gefasste Elfenbeinpokale, Bernsteinarbeiten und astronomische Gerätschaften wie die Tischuhr von Wilhelm Pepfenhauser aus dem 17. Jahrhundert.
Anders als die herzoglichen Gemächer, in denen sich faszinierenderweise fast die komplette Ausstattung von ca. 1700 erhalten hat, verfügt das erbprinzliche Appartement „nur“ über einzigartige Parkettböden und Stuckdecken. Die Wände sind frei von historischen Befunden. Das war geradezu eine Steilvorlage für die Museumsmacher. In der neuen Präsentation kommen die historischen Raumteile voll zur Geltung. An den Wänden jedoch befinden sich moderne Vitrinen, in denen die Highlights dieser international renommierten Kunstsammlungen sprichwörtlich aus dem Dunkel geschält werden. Die neue Präsentation unterstreicht somit den Kunstcharakter dieser Sammlung und eröffnet dem Besucher gleichzeitig die Bedeutung einer Kunstkammer für einen barocken Herrscher.
Die Kunstkammer wurde als erster Teil der Neukonzeption im Dezember 2009 eröffnet.



